Einführung
Totale Knieendoprothetik Die Kniegelenksersatzoperation (TKA) zählt weltweit weiterhin zu den häufigsten orthopädischen Eingriffen. Dennoch stellt der postoperative Schmerz nach wie vor ein großes Hindernis für die frühe Mobilisierung, die Patientenzufriedenheit und die Implementierung optimierter Genesungsprotokolle dar. Obwohl multimodale Schmerztherapien deutliche Fortschritte gemacht haben, bleibt die effektive Kontrolle von Schmerzen im hinteren Kniebereich ohne Beeinträchtigung der motorischen Funktion eine anhaltende Herausforderung. Traditionelle Ansätze wie Femoralisblockaden (FNB) oder Blockaden des Adduktorenkanals (ACB) behandeln in erster Linie Schmerzen im vorderen Kniebereich, sodass bei einem erheblichen Anteil der Patienten – 67–89 % – weiterhin Beschwerden im hinteren Kniebereich bestehen bleiben.
Als Reaktion darauf haben neuere motorschonende Regionalanästhesieverfahren an Bedeutung gewonnen, darunter die ICH PACKE Block, Genicularnervenblockadenund selektive Tibialisnervenblockaden. Dazu gehören unter anderem die Blockade des Plexus popliteus Die posteriore Kniegelenksblockade (PPB) hat sich als vielversprechende Alternative erwiesen, die darauf abzielt, die hintere Knieinnervation gezielt zu behandeln und gleichzeitig die motorische Funktion zu erhalten. Allerdings ist die klinische Evidenz für ihren routinemäßigen Einsatz noch begrenzt.
Die randomisierte, doppelblinde Studie von Stebler et al. Diese Studie liefert aktuelle Erkenntnisse zu diesem sich entwickelnden Forschungsgebiet, indem sie untersucht, ob die zusätzliche Gabe eines präoperativen Blocks (PPB) zu einer kontinuierlichen Femoralisblockade (CFNB) den Opioidverbrauch signifikant senkt und die Schmerzlinderung nach einer Kniegelenksersatzoperation verbessert. Die Studie ist besonders relevant für Kliniker, die in modernen perioperativen Behandlungspfaden schrittweise Verbesserungen der Schmerztherapie anstreben und dabei Sicherheit, Effizienz und funktionelle Erholung in Einklang bringen möchten.
Studienziel und Methoden
Ziel
Ziel der Studie war es, festzustellen, ob die zusätzliche Durchführung einer Blockade des Plexus popliteus (PPB) zu einer kontinuierlichen Femoralisblockade (CFNB) den postoperativen Opioidverbrauch bei Patienten, die sich einer Kniegelenksersatzoperation unterziehen, reduziert.
Studiendesign
- Ein-Zentrum-Studie, randomisiert, doppelblind, kontrolliert
- Registriert und CONSORT-konform
Teilnehmer
- Insgesamt: 66 Patienten
- Gruppen: CFNB + PPB (n=32) und CFNB allein (n=34)
- ASA I–III-Patienten, die sich einer elektiven Kniegelenksersatzoperation unterziehen
Intervention
Alle Patienten erhielten:
- Vollnarkose
- Kontinuierlicher Femoralnervenkatheter
- Standardmäßige multimodale Analgesie (Paracetamol, NSAR, Opioide nach Bedarf)
Die Interventionsgruppe erhielt:
- Ultraschallgesteuerte PPB mit 15 ml Ropivacain 0.5 %
primär Ergebnisse
- kumulativer Morphin-Äquivalentverbrauch über 12 Stunden
Sekundäre Ergebnisse
- Schmerzwerte (VAS 0–10) zu mehreren Messzeitpunkten
- Opioidkonsum im Aufwachraum, 24 Stunden, 48 Stunden
- Schmerzlokalisation (hinteres vs. vorderes Knie)
- Motorische Kraft (zur Beurteilung des motorenschonenden Effekts)
- Nebenwirkungen
Statistischer Ansatz
- Intention-to-treat-Primäranalyse
- Wilcoxon-Tests für Vergleiche
- Powerberechnung basierend auf dem Nachweis einer 5-mg-Opioidreduktion
Die wichtigsten Ergebnisse
Die Ergebnisse verdeutlichen einen statistisch signifikanten, aber klinisch geringfügigen Nutzen der zusätzlichen Gabe von PPB:
Primäres Ergebnis
Opioidkonsum innerhalb von 12 Stunden:
- PPB-Gruppe: 6.1 mg (IQR 0.5–14.5)
- Kontrollgruppe: 10 mg (IQR 5–17.3)
- p = 0.04
Dies entspricht einer Reduzierung um etwa 4 mg Morphinäquivalent.
Sekundäre Ergebnisse
Schmerzwerte im Aufwachraum (Mittelwert):
- Niedriger in der PPB-Gruppe: 2 vs. 3
- p = 0.01
Schmerzen im hinteren Kniebereich (PACU):
- PPB: 34.4 %
- Kontrolle: 61.8%
- p = 0.03
Intraoperativer Opioidgebrauch (Sufentanil):
- Niedriger in der PPB-Gruppe
- p = 0.02
Ergebnisse nach 24–48 Stunden:
- Keine signifikanten Unterschiede im Opioidkonsum oder in den Schmerzscores.
Sicherheit
- Keine Anzeichen einer Ischiasnervenverletzung
- Es zeigten sich keine Unterschiede in der motorischen Schwäche zwischen den Gruppen.
- Vorübergehende neurologische Ereignisse traten nur in der Kontrollgruppe auf.
Verfahrenseffizienz
- Mittlere PPB-Zeit: 5 Minuten
Die Unterschiede im Opioidkonsum und in den Schmerzscores verringern sich nach 24 Stunden, was den kurzfristigen Nutzen unterstreicht.
Klinische Implikationen
Diese Studie bestätigt, dass PPB Folgendes bewirken kann:
- Frühzeitige Schmerzlinderung im hinteren Kniebereich gewährleisten.
- Reduzierung des unmittelbaren postoperativen Opioidbedarfs
- Motorschonende Eigenschaften beibehalten, um eine frühzeitige Mobilisierung zu unterstützen
Der Nutzen ist jedoch gering, was die Frage aufwirft, ob das zusätzliche Verfahren eine routinemäßige Anwendung rechtfertigt – insbesondere bei bereits optimierten multimodalen Behandlungspfaden.
Klinische Perlen
- PPB zielt auf den Plexus popliteus und die hinteren Anteile des Nervus obturatorius ab und schließt damit eine bekannte Lücke in der Schmerztherapie.
- Es geht schnell (~5 Minuten) und ist unter Ultraschallkontrolle technisch durchführbar.
- Im Gegensatz zur Ischiasnervenblockade erhält die PPB die motorische Funktion und verringert so das Sturzrisiko.
- Am besten als Ergänzung, nicht als Ersatz, in der multimodalen Schmerztherapie zu betrachten.
- Die Vorteile sind vor allem in den ersten 12 bis 24 Stunden spürbar – planen Sie entsprechend.
Zukunftsforschung
Die Autoren heben mehrere wichtige nächste Schritte hervor:
Direkte Vergleiche mit:
- IPACK-Block
- Lokale Infiltrationsanalgesie (LIA)
Bewertung von:
- Optimales Volumen und optimale Konzentration des Lokalanästhetikums
- Dauer der Schmerzlinderung
Hinwendung zu patientenzentrierten Ergebnissen:
- Qualität der Genesung
- Funktionelle Mobilität
- Zufriedenheit
Darüber hinaus zeigt die Studie die Machbarkeit größerer Studien trotz pandemiebedingter Rekrutierungsschwierigkeiten auf.
Fazit
Die zusätzliche Durchführung einer Blockade des Plexus popliteus im Rahmen einer kontinuierlichen Femoralisblockade bei Kniegelenkersatz führt zu einer statistisch signifikanten Reduktion des frühen Opioidverbrauchs und einer verbesserten unmittelbaren postoperativen Schmerzkontrolle. Der klinische Effekt ist jedoch gering und von kurzer Dauer; die positiven Effekte klingen nach 24 Stunden ab.
PPB ist zwar eine sichere, effiziente und motorisch schonende Technik, ihr routinemäßiger Einsatz sollte jedoch gegen ihren zusätzlichen Nutzen abgewogen werden. Sie könnte sich vor allem bei ausgewählten Patienten oder in optimierten Rehabilitationsprogrammen als besonders wertvoll erweisen, wo selbst geringe Opioidreduktionen von Bedeutung sind.
Praxistipp
Wenn Sie bereits CFNB oder ACB für TKA verwenden, sollten Sie PPB selektiv hinzufügen – nicht routinemäßig.
Verwenden Sie es in:
- Patienten mit hoher Opioidempfindlichkeit oder Risiko
- Fälle, in denen mit erheblichen Schmerzen im hinteren Kniebereich zu rechnen ist.
- Einstellungen, die auf ultraschnelle Wiederherstellungsprotokolle abzielen
Aber denken Sie daran: Eine Reduzierung der Morphindosis um 4 mg ist hilfreich – aber allein nicht notwendig, um die Praxis zu verändern.
Weitere Informationen finden Sie im vollständigen Artikel in RAPM.
Stebler K, Elia N, Zaccaria I, Fournier RM. Poplitealplexusblockade bei Kniegelenksersatz: eine monozentrische, randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie. Reg Anesth Pain Med. 2026 Mär 5;51(3):309-316.
Bleiben Sie in der Regionalanästhesie immer auf dem neuesten Stand – abonnieren Sie den NYSORA Nervenblockade-App für über 70 Blöcke und Experteneinblicke.