Lernziele
- Prävention und Behandlung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV)
Definition
- Postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) ist nach Schmerzen die zweithäufigste postoperative Komplikation
Scoring
Bewertungssysteme wie das Apfel vereinfachter Risiko-Score kann dazu beitragen, das Bewusstsein für PONV zu schärfen und somit den prophylaktischen Einsatz zu erhöhen. Die Inzidenz von PONV beträgt bei Vorliegen von 0, 1, 2, 3 und 4 Risikofaktoren etwa 10 %, 20 %, 40 %, 60 % bzw. 80 %.
| Risikofaktor | Punkte |
|---|---|
| Weibliche Geschlecht | 1 |
| Nichtraucher | 1 |
| Vorgeschichte von PONV und/oder Reisekrankheit | 1 |
| Postoperative Opioide | 1 |
| Summe der Punkte | 0 bis 4 |
Verwaltung

PONV bei Kindern
- Kinder haben andere Risikofaktoren für PONV als Erwachsene:
- Alter ≥ 3 Jahre
- Vorgeschichte von PONV/Reisekrankheit
- Familiengeschichte von PONV
- Postpubertäre Frau
- Risikochirurgie (Strabismus, Adenotonsillektomie, Otoplastik)
- Operation < 30 Minuten
- Flüchtige Anästhetika
- Dexamethason und 5HT-Antagonisten sind die Antiemetika der Wahl bei Kindern:
- 0 Risikofaktoren
- Keine Prophylaxe oder Dexamethason oder 5HT3-Antagonist
- 1-2 Risikofaktoren
- Dexamethason und 5HT3-Antagonist
- >2 Risikofaktoren
- Dexamethason und 5HT3-Antagonist + erwägen totale intravenöse Anästhesie
- 0 Risikofaktoren
Denken Sie daran,
- Unterschätzen Sie nicht die Schwere von PONV, Patienten berichten, dass es eine schlimmere Erfahrung ist als Schmerzen
- PONV kann zu verminderter Patientenzufriedenheit, Aspiration, Dehydration, längerer Verweildauer und höheren medizinischen Kosten führen
Empfohlene Lektüre
- Gan TJ, Belani KG, Bergese S, et al. Vierte Konsensrichtlinien für das Management von postoperativer Übelkeit und Erbrechen [veröffentlichte Korrektur erscheint in Anesth Analg. Nov. 2020;131(5):e241]. Anesth Analg. 2020;131(2):411-448.
Klinische Updates
Erdem et al. (Regionalanästhesie & SchmerzmedizinEine prospektive, randomisierte Doppelblindstudie mit 81 Patienten, die sich einer einsegmentalen lumbalen Bandscheibenoperation unterzogen, wurde 2025 durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass eine beidseitige präoperative ESP-Blockade die Inzidenz von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV) innerhalb von 24 Stunden von 34.1 % auf 10 % reduzierte. Zudem traten in den ersten 12 Stunden nach der Operation signifikant weniger Übelkeit, ein geringerer Bedarf an Bedarfsmedikation gegen Übelkeit und ein reduzierter intraoperativer Remifentanilbedarf auf. Die Schmerzwerte waren in der ESP-Gruppe bis 12 Stunden nach der Operation signifikant niedriger, der Bedarf an Bedarfsanalgetika war reduziert, und die postoperative Schmerzintensität korrelierte stark mit dem Schweregrad der Übelkeit in der frühen und moderat in der späteren Phase. Dies deutet darauf hin, dass die Analgesie selbst unabhängig die PONV-Mechanismen modulieren kann.
Ao et al. (Anästhesie & AnalgesieEine Netzwerk-Metaanalyse von 15 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) mit 1310 Patienten, die sich einer laparoskopischen bariatrischen Operation unterzogen, wurde durchgeführt (2025). Dabei zeigte sich, dass opioidfreie Anästhesie (OFA) im Vergleich zu opioidsparender Anästhesie (OSA) das Auftreten von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV) innerhalb von 24 Stunden reduzierte, ohne jedoch die Schmerzwerte oder den postoperativen Opioidverbrauch gegenüber OSA zu verbessern. OFA war allerdings mit einem höheren Risiko für perioperative Bradykardie verbunden, während sowohl OFA als auch OSA den postoperativen Opioidverbrauch und die Schmerzen im Vergleich zur traditionellen opioidbasierten Anästhesie gleichermaßen verringerten.
Zhang et al. (Anästhesiologie, 2025) Eine Studie mit 240 Frauen, die sich einer gynäkologischen Laparoskopie unterzogen, berichtet, dass die zusätzliche Gabe von 0.2 g Pyridoxin intravenös zu Dexamethason und Ondansetron die postoperative Übelkeit und das Erbrechen innerhalb der ersten 24 Stunden signifikant reduzierte. Dieser Effekt war hauptsächlich auf eine Verringerung der Übelkeit zurückzuführen, ohne dass die Häufigkeit des Erbrechens, die Schmerzwerte, der Opioidverbrauch oder Entzündungsmarker beeinflusst wurden. Pyridoxin reduzierte auch mittelschwere bis schwere Übelkeit und war nicht mit neurologischen Nebenwirkungen verbunden. Die Ergebnisse beschränken sich jedoch auf eine monozentrische Studie mit ausschließlich weiblichen Patientinnen und bedürfen der Bestätigung durch eine multizentrische Studie.
Kovac (BJA Education, 2025Diese Übersichtsarbeit fasst den aktuellen Kenntnisstand zur Pathophysiologie von PONV zusammen und hebt die zentrale Rolle der Area postrema, des Nucleus tractus solitarius und der multimodalen Rezeptoraktivierung (5-HT3, D2, NK1, H1, M1 und μ-Opioid) hervor. Sie beschreibt detailliert wichtige, beeinflussbare Anästhesierisikofaktoren, darunter volatile Anästhetika, Lachgas und Opioide. Die Arbeit betont validierte Risikostratifizierungsinstrumente – wie den Apfel-Score bei Erwachsenen und den POVOC-Score bei Kindern –, um risikoadaptierte oder multimodale Prophylaxestrategien zu entwickeln, die bei systematischer Anwendung die PONV-Rate in Kliniken von ca. 50 % auf unter 20 % senken können.
