Ultraschallgeführte Knieinjektionen - NYSORA
Inhaltsverzeichnis

Mitwirkende

Ultraschallgeführte Knieinjektionen

Ultraschallgeführte Knieinjektionen

Intraartikuläre Knieinjektionen sowie andere periphere Gelenkinjektionen werden seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich angewendet. Knieinjektionen kann sowohl zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken abgeschlossen werden. In jüngerer Zeit, im Jahr 1997, wurde in den USA von der FDA die exogene hochmolekulare Hyaluronan-Viskosupplementierung zur Behandlung von Knie-Arthrose zugelassen.

 

1. EINSCHRÄNKUNGEN DER AKTUELLEN OBERFLÄCHEN-LANDMARKS-TECHNIK

Eine fehlerhafte Platzierung von Hyaluronsäure kann zu verstärkten Schmerzen und einer verminderten therapeutischen Wirkung führen. Im Gegensatz zu Kortikosteroiden zeigt Hyaluronsäure bei Injektion in periartikuläres Gewebe nur geringe Wirkung. Jones et al. untersuchten mehrere Gelenke und überprüften die Genauigkeit mittels Kontrastmittel und Röntgenkontrollen. Sie zeigten, dass 66 % der Kniegelenksinjektionen intraartikulär und fast ein Drittel extraartikulär erfolgten. In einer Studie zur Messung der Genauigkeit intraartikulärer Kniegelenksinjektionen wiesen Jackson et al. nach, dass Blindinjektionen über den lateralen medialen Patellarzugang mit 93 % die höchste Genauigkeit erreichten, während die anterioren medialen und anterioren lateralen Zugänge nur 75 % bzw. 71 % Genauigkeit aufwiesen. Bislang existiert nur eine Studie, die die Genauigkeit ultraschallgeführter intraartikulärer Kniegelenksinjektionen untersucht. Im et al. berichteten von einer Genauigkeit von 96 % bei Ultraschallführung gegenüber 77 % bei Blindinjektionen.

 

2. TECHNIK ZUR ULTRASCHALLGESTÜTZTEN KNIEGELENK-INJEKTION

Der Patient wird in Rückenlage mit einem Kissen oder einer Stütze unter dem Knie platziert, sodass das Gelenk etwa 30° gebeugt ist. Eine lineare Hochfrequenzsonde wird verwendet, um die suprapatellaren und lateralen Taschen auf einen Erguss zu scannen (Feigen. 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7). Wenn ein Erguss lokalisiert ist, wird diese echoarme Flüssigkeitsansammlung zum Ziel für die Aspiration und Injektion. Typischerweise kann ein subklinischer Erguss unter der Quadrizepssehne unmittelbar proximal der Patella sichtbar gemacht werden. Diese Ergüsse können sichtbar gemacht werden, indem eine lineare Sonde in transversaler Position auf der Patella platziert und sanft nach proximal geschoben wird, bis die Quadrizepssehne sichtbar wird (Abb. 1). Durch Vermeidung einer übermäßigen Sonopalpation (Kompression) können subtile Ergüsse sichtbar gemacht werden, ohne dass die Kapselflüssigkeit ausgelöscht wird. Tief unter der Quadrizepssehne zwischen Quadrizepsfettpolster und präfemoralem Fettpolster kann durch Drehen der Sonde um 90° der kollabierte Gelenkrezess bzw. Gelenkerguss in der kurzen Achse dargestellt werden (Abb. 2). Die Sonde wird in der Transversalebene gehalten, während die Haut lateral der Sonde palpiert wird (Abb. 6). Basierend auf dieser Gewebebewegung mit Palpation lateral der Sonde unter US-Visualisierung wird ein Nadelweg vorbestimmt, um zu vermeiden, dass eine Nadel durch die Quadrizepssehne gestochen werden muss. Dieser Bereich wird dann markiert und steril vorbereitet. Dann werden Vorhänge angebracht. Um die Schmerzen zu minimieren, wird eine 25–27-Gauge-Nadel verwendet, um Lidocain subkutan zu verabreichen. Als nächstes wird eine 22- oder 25-Gauge-Nadel in die Gelenkaussparung oder den Gelenkerguss vorgeschoben.

Abb.1 Längsachsenansicht des proximalen vorderen Knies mit einem subklinischen Erguss (Sternchen). QT Quadrizepssehne, P Patella, QFP Quadrizepsfettpolster, PFP präfemorales Fettpolster, F Femur

Abb.2 Kurzachsenansicht des proximalen vorderen Knies mit einem subklinischen Erguss (Sternchen) in der suprapatellaren Tasche. QT Quadrizepssehne, P Patella, QFP Quadrizepsfettpolster, PFP präfemorales Fettpolster, HC echoarmer hyaliner Knorpel

Abb.3 Querschnitt auf der lateralen Seite der Patella. Pfeilspitzen laterales patellares Retinaculum, P Patella, LC lateraler Femurkondylus, Sternchen kollabierter Gelenkspalt

Abb.4 Queransicht des seitlichen Beutels mit einem gut definierten Erguss

Abb.5 Queransicht der lateralen Patella und einer im medialen Teil der lateralen Tasche platzierten Nadel

Abb.6 Kurzachsiger Zugang zum suprapatellaren Pouch von lateral nach medial

Abb.7 Fluoroskopische Bestätigung des suprapatellaren Pouch-Ansatzes unter US-Führung

Eine Testdosis mit 1–2 ml Lokalanästhetikum kann verwendet werden, um die korrekte Platzierung der intrasynovialen Nadelspitze zu bestätigen. Eine fluoroskopische Bestätigung kann auch mit einer seitlichen Ansicht des Kniegelenks erhalten werden (Abb. 7Beim Injizieren von 2–6 ml Viscosupplementation oder Kortikosteroid sollte nur minimaler Widerstand spürbar sein. Ein medialer patellarer Zugang wurde ebenfalls bei vollständig gestrecktem Knie beschrieben (Feigen. 8 und 9).

Abb.8 Queransicht der mittleren Patella. Stelle des von Im beschriebenen medialen Patellaportalzugangs. F Femur, H Hoffas Fettpolster, P Patella, Sterngelenkspalt

Abb.9 Fluoroskopisch bestätigter patellofemoraler Zugang mit frei fließendem Kontrastmittel zwischen Patella und Femur

 

3. FAZIT

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass blinde Knieinjektionen in erfahrenen Händen relativ genau sind. Geführte Injektionen sollten jedoch ernsthaft in Betracht gezogen werden, wenn eine definitive Diagnose erforderlich ist, Synovialflüssigkeit benötigt wird, biologisches Material mit regenerativen Eigenschaften injiziert wird oder eine Viskosupplementierung verwendet wird.

Klinische Updates

Parket al. (Regionalanästhesie & Schmerzmedizin, 2025) führten eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse von 34 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) (n=2371) durch, in denen die Radiofrequenzablation (RFA) der Kniegelenksnerven mit intraartikulären Injektionen mesenchymaler Stammzellen (MSC) bei Kniearthrose verglichen wurde. Die RFA schnitt dabei am besten ab. Kurzfristige Schmerzen und Funktion nach 3 Monaten (Schmerz SUCRA 0.921; WOMAC SUCRA 0.821), während bei Nach 6 Monaten zeigten MSC und RFA eine vergleichbare Schmerzlinderung.MSC zeigt zwar eine geringfügig höhere Schmerzlinderung, jedoch einen weniger sicheren funktionellen Nutzen. Insgesamt bietet die Radiofrequenzablation (RFA) den zuverlässigsten frühen Nutzen, während MSC (insbesondere aus Fettgewebe gewonnene MSC) eine anhaltende mittelfristige Wirksamkeit aufweisen können, allerdings mit größerer Heterogenität und geringerer Sicherheit zu späteren Zeitpunkten.

Bevorstehende Veranstaltungen Alle anzeigen