IV-Zugang in der Notfallsituation - NYSORA

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IV-Zugang in Notfallsituationen

IV-Zugang in Notfallsituationen

Notfallsituationen erfordern schnelles Handeln; die Anlage eines intravenösen Zugangs kann lebenswichtig sein. Der Prozess ist jedoch mit Schwierigkeiten verbunden, insbesondere bei Patienten mit eingeschränktem Gefäßzugang aufgrund von Dehydration, Trauma, Schock, Übergewicht oder intravenöser Medikamenteneinnahme. Wir stellen einen praktischen Algorithmus vor, der speziell für den intravenösen Zugang in der Notfallsituation entwickelt wurde, um den Entscheidungsprozess zu vereinfachen und die klinischen Ergebnisse zu verbessern. Diese Algorithmen sind Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die die Auswahl der initialen Stelle, Techniken für schwierige intravenöse Zugänge, die Anwendung ultraschallgeführter Venenpunktion und alternative Zugangsmethoden wie die intravenöse Infusion behandeln. Sie sollen Klinikern als praktisches Hilfsmittel dienen, die Zeit bis zur Anlage des Zugangs verkürzen und die Patientenversorgung verbessern.

Diese Algorithmen legen Wert auf einen systematischen Ansatz, beginnend mit den am wenigsten invasiven Methoden und fortschreitend zu fortgeschritteneren Techniken, wenn erste Versuche fehlschlagen. Sie berücksichtigen patientenspezifische Faktoren und ermutigen Ärzte, sich bei der Wahl der Technik von ihrem klinischen Urteilsvermögen und der Patientenbeurteilung leiten zu lassen.

Klinische Updates

  • Vallentin et al. (New England Journal of Medicine, 2025) randomisierten 1479 Erwachsene mit nichttraumatischem außerklinischem Herzstillstand zu einem initialen intraossären (IO) versus intravenösen (IV) Zugang und fanden keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich der anhaltenden Wiederherstellung des Spontankreislaufs, des 30-Tage-Überlebens oder des günstigen neurologischen Ergebnisses. Obwohl der IO-Zugang eine höhere Erfolgsrate beim ersten oder zweiten Versuch aufwies, waren die Zeit bis zum erfolgreichen Zugang und die Zeit bis zur Adrenalingabe vergleichbar, und die Ergebnisse unterschieden sich nicht zwischen humeralen und tibialen IO-Zugangsorten. Diese Daten legen nahe, dass Kliniker in Notfallsituationen mit Herzstillstand den schnellstmöglichen Zugangsweg (IO oder IV) priorisieren können, ohne Unterschiede im Überleben oder im neurologischen Ergebnis zu erwarten.

Referenz: Vallentin MF et al. Intraossärer oder intravenöser Gefäßzugang bei außerklinischem Herzstillstand. N Engl J Med. 2025; 392: 349-360. 

  • Struck et al. (International Journal of Emergency Medicine, 2025) präsentieren die erste deutsche nationale S1-Leitlinie speziell zum Gefäßzugang im Schockraum. Sie empfiehlt, unverzüglich mindestens zwei großlumige periphere Venenverweilkanülen zu legen und bei lebensbedrohlichen Situationen oder Herzstillstand rasch auf einen intraossären Zugang umzusteigen, wenn der intravenöse Zugang nicht gelingt. Die Leitlinie betont die Bedeutung der Ultraschallführung bei schwierigen peripheren Zugängen, der Platzierung zentralvenöser Katheter (ZVK) und arterieller Katheter; die Priorisierung des intraossären Zugangs gegenüber einem verzögerten intravenösen Zugang bei Herzstillstand; die Möglichkeit der peripheren Vasopressorinfusion unter kontrollierten Bedingungen; und die Vermeidung von Verzögerungen bei der Bildgebung zur ZVK- oder arteriellen Katheterplatzierung bei stabilen Patienten. Sie enthält zudem szenariospezifische Empfehlungen, darunter das frühzeitige arterielle Monitoring bei kritisch kranken Patienten, die strukturierte Überprüfung der Katheterlage sowie strenge Fixierungs- und Dokumentationsstandards zur Reduzierung mechanischer Komplikationen.

Referenz: Struck MF et al. Gefäßzugang für die Erstversorgung von erwachsenen Notfallpatienten im Schockraum: Kurze Zusammenfassung der Empfehlungen aus der deutschen nationalen S1-Leitlinie. Int J Emerg Med. 2025, 18: 187.

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