Zervikogener Kopfschmerz (CHA) ist eine sekundäre Kopfschmerzerkrankung, die auf Funktionsstörungen der Halswirbelsäule und ihrer angrenzenden Strukturen zurückzuführen ist. Er äußert sich häufig als einseitiger Hinterkopfschmerz mit Ausstrahlung in die Stirnregion und geht oft mit Nackenschmerzen, eingeschränkter Halswirbelsäulenbeweglichkeit und erheblichen Funktionseinschränkungen einher. Trotz multimodaler Behandlungsansätze sprechen viele Patienten nicht auf eine medikamentöse Therapie an, was das Interesse an interventionellen Schmerztherapien verstärkt.
Eine kürzlich von Dadali et al. veröffentlichte prospektive Beobachtungsstudie Schmerz Arzt, bewertet die Wirksamkeit und Sicherheit der ultraschallgesteuerten gepulsten Radiofrequenztherapie (PRF) am Nervus occipitalis major (GON) auf Höhe des zweiten Halswirbels (C2), wobei signifikante Verbesserungen der Schmerzintensität, der Schmerzhäufigkeit und des Analgetikaverbrauchs nachgewiesen wurden.
Zervikogenen Kopfschmerz verstehen
Es wird geschätzt, dass CHA etwa 15–20 % der Fälle von chronischen Kopfschmerzen und wird als sekundäre Kopfschmerzerkrankung klassifiziert, die auf einer Pathologie der Halswirbelsäule beruht.
Zu den wichtigsten klinischen Merkmalen gehören:
- Einseitige, nicht pochende Hinterkopfschmerzen
- Ausstrahlung in frontale, orbitale oder kontralaterale Regionen
- Begleitende Nackenschmerzen und Steifheit
- Auslösung durch Nackenbewegungen oder anhaltende Körperhaltung
Der zugrunde liegende Mechanismus beinhaltet Konvergenz der zervikalen (C1–C3) und trigeminalen sensorischen Bahnen, was die Übertragung von Schmerzen vom Nacken zum Kopf erklärt.
Grenzen des konventionellen Managements
Die Standardbehandlung mit CHA umfasst:
- Pharmakologische Therapie (NSAR, Analgetika)
- Physiotherapie und Rehabilitation
- Verhaltens- und Unterstützungsstrategien
Zu den Einschränkungen gehören jedoch:
- Unvollständige Schmerzlinderung
- Häufige Wiederholung
- Medikamentenübergebrauch
- Anhaltende Funktionsbeeinträchtigung
Diese Herausforderungen unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Interventionsansätze.
Großer Hinterhauptnerv: ein wichtiges therapeutisches Ziel
Der aus dem dorsalen Ast des zweiten Halswirbels (C2) entspringende große Hinterhauptnerv (GON) spielt eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie des zervikogenen Kopfschmerzes.
Warum das Ziel der GON?
- Direkte Beteiligung an der Übertragung von Schmerzen im Hinterkopfbereich
- Funktionelle Verbindung mit dem trigeminocervikalen Komplex
- Zugänglichkeit für ultraschallgesteuerte Interventionen
Diagnostisch GON-Blöcke werden häufig verwendet, um die Schmerzursache zu bestätigen und das Ansprechen auf weitere Behandlungen vorherzusagen.
Gepulste Radiofrequenz: Neuromodulation ohne Zerstörung
Die gepulste Radiofrequenztherapie ist eine minimalinvasive Technik, die dem Nervengewebe intermittierende elektrische Energie zuführt.
Hauptvorteile:
- Moduliert die Schmerzsignalübertragung ohne Nervenzerstörung
- Erhält die neuronale Integrität
- Reduziert das Risiko im Vergleich zur kontinuierlichen Radiofrequenzablation
Mechanistisch gesehen verändert PRF die synaptische Übertragung und die Aktivität von Neurotransmittern, was zu einer reduzierten nozizeptiven Signalgebung führt.
Studiendesign und Patientenauswahl
Die Studie umfasste Patienten mit der Diagnose zervikogener Kopfschmerz, die strenge klinische Kriterien erfüllten.
Wichtigste Aspekte:
- 51 Patienten wurden untersucht
- 34 reagierten auf die diagnostische GON-Blockade
- 32 Patienten schlossen die PRF-Behandlung und die Nachbeobachtung ab.
Nur Patienten, die ≥ 50% Schmerzlinderung nach diagnostischer Blockade Anschließend wurde auf PRF eingegangen, wobei die Wichtigkeit der Patientenauswahl hervorgehoben wurde.
Verfahrenstechnik
Der Eingriff wurde unter Ultraschallkontrolle durchgeführt, um Genauigkeit und Sicherheit zu gewährleisten.
Verfahrensschritte:
- Patient in Bauchlage mit gebeugtem Nacken
- Identifizierung von Orientierungspunkten des zweiten Halswirbels (C2) und der umliegenden Muskulatur
- Visualisierung von GON zwischen:
- Musculus obliquus capitis inferior
- Musculus semispinalis capitis
PRF-Parameter:
- Spannung: 45 V
- Frequenz: Hz 5
- Impulsbreite: 5 ms
- Temperatur: ≤ 42°C
- Dauer: 360 Sekunden
Klinische Ergebnisse: signifikante und anhaltende Verbesserungen
1. Verringerung der Schmerzintensität
- Ausgangswert VAS ≈ 6
- Reduziert auf ≈ 4 nach 1 und 3 Monaten
2. verringerte Häufigkeit von Kopfschmerzen
- Die Anzahl der Kopfschmerztage reduzierte sich von ca. 20 pro Monat auf ca. 6 pro Monat.
3. Kürzere Dauer der Kopfschmerzen
- Die Episodenlänge wurde von ca. 6.5 Stunden auf ca. 3 Stunden reduziert.
4. Reduzierter Analgetikaverbrauch
- Deutliche Verringerung der Medikamententage pro Monat
- Leichter Anstieg nach 3 Monaten, aber immer noch unter dem Ausgangswert
Diese Ergebnisse werden durch die Tabelle auf Seite 8, was die durchgängigen Verbesserungen über alle klinischen Parameter hinweg zusammenfasst.
Sicherheitsprofil
Das Verfahren wies ein günstiges Sicherheitsprofil auf.
Beobachtete Effekte:
- Keine ernsthaften Komplikationen
- Leichte, vorübergehende Nebenwirkungen bei ca. 22 % der Patienten:
- Schwindel
- Übelkeit
- Schläfrigkeit
Diese Effekte verschwanden ohne Eingreifen.
Klinische Bedeutung:
- Bestätigt die Diagnose
- Identifiziert Einsatzkräfte
- Verbessert die Behandlungserfolgsraten
Patienten, bei denen nach einer diagnostischen Blockade eine Schmerzlinderung von ≥ 50 % erzielt wurde, profitierten mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit von einer PRF-Behandlung.
Klinische Auswirkungen
Diese Studie untermauert mehrere wichtige Prinzipien:
- Ultraschallführung verbessert die Genauigkeit des Eingriffs
- PRF bietet eine sichere neuromodulatorische Alternative zu destruktiven Techniken
- Gezielte Nerveneingriffe können die Abhängigkeit von systemischen Medikamenten verringern.
- Die frühzeitige Identifizierung von Respondern verbessert die Behandlungsergebnisse.
Darüber hinaus unterstützen die Ergebnisse die Integration der PRF in multimodale Schmerztherapiekonzepte bei zervikogenem Kopfschmerz.
Einschränkungen und zukünftige Richtungen
Trotz vielversprechender Ergebnisse bestehen folgende Einschränkungen:
- Kleine Stichprobengröße
- Einzentrums-Design
- Kurze Nachbeobachtungsdauer (3 Monate)
- Gleichzeitiges Auftreten von Migräne bei einigen Patienten
Zukünftige Forschung sollte sich auf folgende Punkte konzentrieren:
- Langfristige Wirksamkeit
- Vergleichende Studien mit anderen interventionellen Techniken
- Optimierung von PRF-Protokollen
Fazit
Die ultraschallgesteuerte gepulste Radiofrequenztherapie des Nervus occipitalis major auf Höhe des zweiten Halswirbels (C2) stellt eine effektive und sichere Behandlungsoption für zervikogene Kopfschmerzen dar. Durch die signifikante Reduktion von Schmerzintensität, -häufigkeit und Medikamentenverbrauch bietet diese Technik eine wertvolle Ergänzung zu interventionellen Schmerztherapien.
Da sich die Evidenzlage ständig weiterentwickelt, könnte die PRF-Therapie zu einer Eckpfeilertherapie für Patienten mit refraktärem zervikogenem Kopfschmerz werden, insbesondere wenn sie sich an der Reaktion auf eine diagnostische Nervenblockade orientiert.
Weitere Informationen finden Sie im vollständigen Artikel in Schmerz Arzt.
Dadali S, Celik S, Babaoglu G, et al. Ultraschallgesteuerte gepulste Radiofrequenztherapie auf Höhe C2 bei zervikogenem Kopfschmerz: Zielsetzung des Nervus occipitalis major. Pain Physician. 2026;29(1):55-64.
Eine detaillierte Anleitung zu ultraschallgeführten Blockaden des Nervus occipitalis major finden Sie in der NYSORA-Broschüre. Handbuch für ultraschallgeführte interventionelle Schmerzbehandlungsverfahren!