Die Regionalanästhesie wird zunehmend als unverzichtbarer Bestandteil der pädiatrischen Anästhesie anerkannt. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: geringere postoperative Schmerzen, reduzierter Opioidverbrauch und schnellere Genesung – all dies verbessert die Behandlungsergebnisse und minimiert unerwünschte Ereignisse. Allerdings mangelt es größtenteils an anatomischen Kenntnissen, die der Regionalanästhesie zugrunde liegen. Pädiatrische Regionalanästhesie Die Ergebnisse wurden aus Studien mit Erwachsenen extrapoliert. Neugeborene und Säuglinge sind nicht einfach „kleine Erwachsene“ – ihre Anatomie unterscheidet sich in einer Weise, die die Genauigkeit und Sicherheit von Nervenblockaden erheblich beeinträchtigen kann.
Das Oberflächliche zervikaler Plexus Der Nervus cervicalis superior (SCP), gebildet aus den vorderen Ästen der Halswirbel C1–C4, versorgt den anterolateralen Halsbereich sowie Bereiche des Kopfes und der Schulter sensibel. Seine Hautäste (Nervus auricularis magnus, Nervus occipitalis minor, Nervus supraclavicularis und Nervus transversus cervicalis) entspringen typischerweise in der Mitte des hinteren Randes des Musculus sternocleidomastoideus (SCM) – einem anatomischen Punkt, der oft als „Nervenpunkt des Halses“ bezeichnet wird. Bei Erwachsenen ist dieser Nervenpunkt ein zuverlässiges Ziel für SCP-Blockaden, die häufig angewendet werden bei … Thyreoidektomie, Mastoidektomie, Spaltentfernung und Cochlea-Implantation.
Bislang lagen nur wenige anatomische Daten für Neugeborene vor, sodass Kliniker auf Annahmen aus der Erwachsenenmedizin angewiesen waren. Ziel dieser Studie von Prigge et al. war es, die neonatalspezifische Anatomie des Nervus cavernosus (SCP) zu definieren und evidenzbasierte Orientierungspunkte für sichere und effektive Nervenblockaden bei den jüngsten Patienten bereitzustellen.
Studienziel und Methoden
Das Hauptziel dieser anatomischen Studie war es, den oberflächlichen Halsplexus bei Neugeborenen genau zu lokalisieren und standardisierte anatomische Orientierungspunkte für SCP-Blockaden festzulegen.
-
- Design: Beobachtende, querschnittliche anatomische Studie.
- Setting: Abteilung für Anatomie, Universität Pretoria, Südafrika.
- Fächer: 22 einbalsamierte Neugeborenenleichen (0–28 Tage alt, normales Geburtsgewicht, keine angeborenen Fehlbildungen).
- Dissektionsprotokoll:
-
- Rückenlage mit gegenläufiger Kopfdrehung zur Simulation der Patientenposition.
- Schichtweise Präparation der Halsregion zur Freilegung des SCP an seinem Austritt aus dem hinteren Rand des SCM.
- Identifizierung der Hautäste (Nervus auricularis magnus, Nervus occipitalis minor, Nervus supraclavicularis und Nervus transversus cervicis).
- Es wurde eine Beziehung zur Vena jugularis externa (EJV) festgestellt.
- Abmessungen:
-
- Abstand vom Nervenpunkt (NP) zu den Ansatzstellen des Musculus sternocleidomastoideus (Mastoid und Schlüsselbein).
- Abstand des Nucleus pulmonalis zur Vena jugularis externa und zur Halsmittellinie.
- Korrespondenz des NP mit dem Schildknorpelniveau.
Die wichtigsten Ergebnisse
- Der Nervenpunkt des Halses bei Neugeborenen befand sich 17.5 mm vom Mastoidansatz und 19.8 mm vom Schlüsselbeinansatz des Musculus sternocleidomastoideus entfernt.
- Im Durchschnitt lag es etwa 21 mm seitlich der Halsmittellinie.
- In 83 % der Fälle lag der Nervenpunkt an der Oberkante des Schildknorpels und diente somit als verlässlicher klinischer Orientierungspunkt.
- Der Nervenpunkt befand sich etwa 4.7 mm posterior der Vena jugularis externa, was die Notwendigkeit von Vorsicht bei der Infiltration anhand anatomischer Landmarken unterstreicht.
- Die oberflächlichen Äste entsprangen stets entlang des hinteren Randes des SCM, allerdings etwas weiter kranial als bei Erwachsenen.
- Sowohl die Intra- als auch die Interrater-Reliabilität waren ausgezeichnet (ICC > 0.98), was eine hohe Reproduzierbarkeit der Messungen bestätigt.
Fazit
Diese Leichenstudie liefert die erste neonatalspezifische anatomische Kartierung des oberflächlichen Halsplexus. Anders als bei Erwachsenen, bei denen der Nervenpunkt klassischerweise in der Mitte des Musculus sternocleidomastoideus (SCM) beschrieben wird, liegt er bei Neugeborenen etwas weiter kranial, aber zuverlässig auf Höhe des oberen Schildknorpels und unmittelbar hinter der Vena jugularis externa (EJV). Diese Ergebnisse unterstützen einen verfeinerten, kinderspezifischen Ansatz zur Orientierung an anatomischen Landmarken für Blockaden des oberflächlichen Halsplexus und verbessern somit Sicherheit und Genauigkeit in der neonatalen Regionalanästhesie.
Zukunftsforschung
- Verzweigungsmuster: Die Studie dokumentierte keine individuellen Hautnervenverläufe – zukünftige Studien sollten diese kartieren, um eine gezielte Nervenbehandlung zu ermöglichen.
- Tiefenmessungen: Die Abstände zwischen Haut und Nerven konnten aufgrund von Einschränkungen bei der Präparation nicht beurteilt werden; Ultraschalluntersuchungen könnten dies nachholen.
- Ultraschallkorrelation: Die Integration anatomischer Daten mit bildgebenden Validierungsverfahren an lebenden Säuglingen ist für die klinische Anwendung unerlässlich.
- Ältere Säuglinge und Kinder: Die Anatomie verändert sich wahrscheinlich mit dem Wachstum – Längsschnittstudien sind erforderlich.
- Klinische Ergebnisse: Zukünftige Studien sollten bestätigen, ob diese Orientierungspunkte den Erfolg von Blockaden, die Sicherheit und die Schmerzlinderung in der Kinderchirurgie verbessern.
Klinische Implikationen
Durch den Nachweis, dass der Nervenpunkt am häufigsten auf Höhe des oberen Randes des Schildknorpels und hinter der Vena jugularis externa (VJE) zu finden ist, liefern die Ergebnisse zuverlässige, auf Palpation basierende Orientierungspunkte, die sich von der Anatomie Erwachsener unterscheiden. Diese Erkenntnisse mahnen zur Vorsicht bei der Übertragung von Befunden Erwachsener auf Kinder und unterstreichen die Notwendigkeit kinderspezifischer Ansätze. Klinisch ermöglicht die Verwendung präziser Orientierungspunkte die Verwendung geringerer Lokalanästhetikavolumina, wodurch das Risiko systemischer Toxizität reduziert und die Sicherheit bei Neugeborenen erhöht wird. Darüber hinaus besitzt die Identifizierung konsistenter, leicht zu findender Orientierungspunkte einen didaktischen Wert und bietet ein vereinfachtes Rahmenwerk für die Anwendung von Anatomietechniken. Ausbildung von Nachwuchskräften und Standardisierung der Praxis in der pädiatrischen Regionalanästhesie.
Klinische Perlen
- Nervenpunkt ca. 21 mm lateral der Mittellinie auf Höhe des Schildknorpels.
- Im Vergleich zu Beschreibungen von Erwachsenen mit dem mittleren SCM-Bereich etwas kranial.
- Die Vena jugularis externa liegt ca. 4.7 mm anterior – Vorsicht vor intravaskulärem Risiko.
- Eine 83%ige Ausrichtung mit dem oberen Schildknorpel gewährleistet ein verlässliches Niveau.
- Hohe Messzuverlässigkeit unterstützt die klinische Anwendung.
Praktischer Tipp: Für präzise neonatale SCP-Blockaden sollte der Mittelpunkt des hinteren SCM auf Höhe des Schildknorpels anvisiert werden.
Ausführlichere Informationen finden Sie im vollständigen Artikel in RAPM.
Prigge L. et al. Anatomische Studie des oberflächlichen Halsplexus als Zielgebiet für sensorische Nervenblockaden bei Neugeborenen. Reg Anesth Pain Med. Online veröffentlicht am 27. August 2025.
Laden Sie die Nerve Blocks App herunter HIER KLICKEN für detaillierte Einblicke in über 60 Nervenblockadetechniken von Kopf bis Fuß. Bevorzugen Sie eine physische Kopie? Die meistverkaufte NYSORA Nerve Blocks App ist verfügbar in Buchformat — eine unverzichtbare Ressource zur Bewältigung von Nervenblockaden! Und für ein digitales Lernerlebnis schauen Sie sich an: das manuelle Modul „Nervenblockaden“ auf NYSORA360!


