Frühe Mobilisierung, effektive Schmerzbehandlung und eine optimierte Patientenerholung sind wesentliche Bestandteile von Protokollen zur verbesserten Genesung nach Operationen (ERAS). Um diese Ziele zu unterstützen, hat sich die Blockade des Musculus quadratus lumborum (QL) als weit verbreitete Regionalanästhesietechnik etabliert, die insbesondere wegen ihrer dualen somatischen und viszeralen analgetischen Wirkung bei abdominalen und retroperitonealen Operationen geschätzt wird. Diese Blockade wird typischerweise auf Höhe der Wirbel L3–L4 verabreicht, wobei ein Lokalanästhetikum in die Faszienebene zwischen Musculus quadratus lumborum und Musculus psoas major, hinter der Fascia transversalis, injiziert wird.
Trotz seines klinischen Nutzens hat die anatomische Nähe der vorderen QL-Blockade zum Plexus lumbalis – insbesondere zum Nervus femoralis – Bedenken hinsichtlich einer möglichen motorischen Schwäche geweckt. Insbesondere die unbeabsichtigte Ausbreitung des Lokalanästhetikums in die motorischen Äste kann zu einer Schwäche oder sogar vorübergehenden Lähmung des Quadrizepsmuskels führen, was die postoperative Gehfähigkeit beeinträchtigen und die Genesung verzögern kann.
In der klinischen Praxis deuten Einzelberichte nicht auf eine signifikante Schwäche der unteren Extremitäten nach dieser Blockade hin. Dennoch gab es bisher keine strenge, kontrollierte Bewertung der Auswirkungen dieser Blockade auf die Motorik des Quadrizeps bei lebenden Probanden.
Um diese Lücke zu schließen, wurde eine neue randomisierte, dreifach verblindete Nichtunterlegenheitsstudie veröffentlicht in Regionalanästhesie & Schmerzmedizin Ziel dieser Studie war es, systematisch zu untersuchen, ob die Blockade des vorderen QL die Kraft des Quadrizeps beeinträchtigt. Die Ergebnisse könnten eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung der Sicherheit dieser Blockade in beschleunigten chirurgischen Genesungsprotokollen spielen.
Studienziel und Methoden
Das primäre Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob eine einseitige Blockade des vorderen QL im Vergleich zu einem Placebo zu einer Schwäche des Quadrizepsmuskels führt, gemessen anhand der maximalen willkürlichen isometrischen Kontraktion (MVIC). Sekundäre Ergebnisse umfassten die Beurteilung der funktionellen Mobilität und eine dermatomische sensorische Kartierung.
Studiendesign
- Einwohner 20 gesunde erwachsene Freiwillige (ASA-Körperzustand I–II).
- Design: Randomisierte, kontrollierte, dreifach verblindete Nichtunterlegenheitsstudie.
- Ort: Universitätsklinikum Seeland, Roskilde, Dänemark.
- Intervention: Jeder Teilnehmer erhielt eine vordere QL-Blockade mit 30 ml Ropivacain 0.75 % auf der einen Seite und 30 ml Kochsalzlösung (Placebo) auf der anderen Seite.
- Blendung: Teilnehmer, Kliniker und Ergebnisprüfer waren über die Zuteilung im Unklaren.
- Bewertungsfenster: 60 Minuten nach der Blockverabreichung.
Outcome Maßnahmen
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- Grundschule: Änderung des MVIC des Quadrizeps (in Newton).
- Sekundär:
-
- Timed-Up and Go (TUG)-Test.
- 6-Meter-Einbein-Sprungtest auf Zeit.
- Mittlerer arterieller Druck (MAP).
- Sensorische Dermatom-Kartierung unter Verwendung von Kälte- und Nadelstichreizen.
- Sicherheit: Überwachung auf unerwünschte Ereignisse (AEs) und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SAEs).
Die wichtigsten Ergebnisse
- Keine klinisch bedeutsame motorische Blockade: Der Unterschied im MVIC zwischen der aktiven und der Placeboseite betrug 15.88 N (95 % KI: −12.19 bis 43.94) und lag damit innerhalb der Nichtunterlegenheitsgrenze von −25 N (p < 0.003). Dies bestätigt, dass die Blockade des vorderen QL keine klinisch signifikante Quadrizepsschwäche verursachte.
- Sekundäre Ergebnisse: Der TUG-Test verbesserte sich nach der Blockade (−0.23 s, p = 0.005), wahrscheinlich eher aufgrund eines Lerneffekts als einer physiologischen Veränderung. Der MAP erhöhte sich leicht um 4.25 mmHg (p = 0.04), was jedoch klinisch nicht relevant war. Der Hop-Test zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen den Seiten.
- Sensorische Verteilung: Dermatomtests ergaben sensorische Veränderungen hauptsächlich im Bereich Th10–L1, der den unteren Bauchregionen entspricht. Unterhalb von L3 kam es bei keinem Teilnehmer zu einem sensorischen Verlust, was darauf hindeutet, dass der Nervus femoralis nicht betroffen war.
- Sicherheitsprofil: Es wurden fünf geringfügige Nebenwirkungen (z. B. vorübergehende Übelkeit, vasovagale Reaktionen) festgestellt, die alle ohne Intervention abklangen. Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet. Alle Teilnehmer wurden zwei Stunden nach der Blockade ohne anhaltende Nebenwirkungen entlassen.
Fazit
Diese Studie liefert den ersten kontrollierten Beweis dafür, dass eine Blockade des vorderen QL auf Höhe L3/L4 die Kraft des Quadrizeps bei gesunden Probanden nicht beeinträchtigt. Dieser Befund unterstützt die sichere Einbeziehung in ERAS-Protokolle, insbesondere wenn eine schnelle postoperative Mobilisierung entscheidend ist.
Bemerkenswerterweise bot der Block eine sensorische Abdeckung vor allem im unteren Bauchbereich, ohne sich auf die motorischen Äste des Plexus lumbalis auszudehnen. Dies steht im Einklang mit anatomischen Studien, die eine minimale Farbstoffausbreitung zum Nervus femoralis zeigen, wenn der Block richtig platziert ist.
Zukunftsforschung
Obwohl diese Ergebnisse vielversprechend sind, bestand die Studienpopulation aus gesunden, jungen Freiwilligen. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Sicherheit und Wirksamkeit des Blocks bei chirurgischen Patienten zu beurteilen, insbesondere bei Patienten mit:
- Höherer BMI oder Komorbiditäten.
- Sich größeren Bauch- oder Beckenoperationen unterziehen.
- Empfangen von bilateralen oder wiederholten regionalen Sperren.
Wichtige Richtungen für zukünftige Untersuchungen:
- Studien zu klinischen Ergebnissen: Tests in chirurgischen Umgebungen, wie z. B. laparoskopische Hysterektomie, Nephrektomie oder Kolektomie.
- Anatomische Variabilität: Untersuchung der Auswirkung von Varianten des Plexus lumbalis auf die Blockausbreitung.
- Vergleichsversuche: Bewertung der Blockade des vorderen QL im Vergleich zu anderen Rumpf- oder Plexusblockaden sowohl hinsichtlich der Analgesie als auch der Erhaltung der Motorik.
Klinische Implikationen
Für Eingriffe, die eine effektive Schmerzlinderung ohne motorische Beeinträchtigung erfordern – wie z. B. laparoskopische Operationen, Urologie oder ambulante Bauchoperationen – bietet der vordere QL-Block eine praktikable, motorschonende Alternative. Seine Kompatibilität mit den ERAS-Zielen macht ihn zu einem starken Kandidaten für eine breitere Anwendung in perioperativen Schmerzprotokollen.
Durch die Bestätigung des Fehlens einer Quadrizepsschwäche lindert diese Studie langjährige Bedenken und stärkt die Argumente für die Blockade des vorderen QL in der modernen Praxis der Regionalanästhesie.
Klinische Perlen
- QL-Block bei L3–L4: Keine klinisch signifikante Reduktion des Quadrizeps-MVIC.
- Sensorische Abdeckung: T10–L1; keine Ausbreitung unterhalb von L3.
- Keine motorische Beeinträchtigung → erhält die Gehfähigkeit, entspricht ERAS.
- Sicherheitsprofil: Nur geringfügige Nebenwirkungen, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet.
Praktischer Tipp: Bei laparoskopischen oder ambulanten Bauchoperationen bietet der vordere QL-Block eine Analgesie ohne motorisches Risiko – ideal für eine schnelle Genesung.
Ausführlichere Informationen finden Sie im vollständigen Artikel in RAPM.
Tanggaard K. et al. Keine Quadrizeps-Muskelschwäche nach Blockade des Musculus quadratus lumborum anterior im Vergleich zu Placebo: eine randomisierte, nicht unterlegene, verblindete Freiwilligenstudie. Reg Anesth Pain Med. 2025;50:568-574.
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