Koagulopathie - NYSORA
Inhaltsverzeichnis

Mitwirkende

Koagulopathie

Koagulopathie

Lernziele

  • Definition von Koagulopathie
  • Management der Koagulopathie

Definition und Mechanismen

  • Koagulopathie ist ein Zustand, bei dem die Fähigkeit des Blutes zur Gerinnung (Bildung von Blutgerinnseln) beeinträchtigt ist
  • Führt zu einer Tendenz zu verlängerten oder übermäßigen Blutungen und tritt spontan oder nach einer Verletzung auf 
  • Verursacht durch:
  • Die Aktivierung der Gerinnung führt insbesondere zum Verbrauch von Gerinnungsfaktoren Faktor v und Fibrinogen, was zu einer Verbrauchskoagulopathie führt

Anzeichen und Symptome

  • Leichte Blutergüsse
  • Hämarthrose (Einblutung in eine Gelenkhöhle)
  • Blutung nach der Geburt
  • Blutansammlung in der Pleurahöhle (Hämothorax)
  • Sehr starker Menstruationsfluss
  • Blutverlust durch die Nase
  • Analblutung
  • Livedo reticularis
  • Thrombozytopenie
  • Zahnfleischbluten
  • Rheuma
  • Blutiges Zahnfleisch
  • Gelenkschmerzen und Schwellungen
  • Blut im Urin
  • Doppelte Sicht
  • Starke Kopf- oder Nackenschmerzen
  • Wiederholtes Erbrechen
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Krämpfe bzw Anfälle

Verwaltung

  • Entnehmen Sie eine Blutprobe für einen vollständigen Gerinnungsbildschirm
  • Führen Sie patientennahe Tests wie ROTEM oder TEG durch
  • Betrachten Sie freizügig Unterdruck bei Patienten mit mäßiger Blutung
  • Führen Sie bei einem Patienten mit schwerer Volumenreanimation eine massive Volumenreanimation durch hypovolämischer Schock
  • Beschränken Sie kristalloide und kolloidale Infusionen, da dies dazu führt Azidose, Unterkühlung und Koagulopathie
  • Übertragen rote Blutkörperchen → Hämoglobin-Zielwert liegt zwischen 7-9 dL/L
  • Je nach Gerinnungsergebnissen und Blutverlust frisches gefrorenes Plasma, Blutplättchen, Kryopräzipitat und konzentrierte Erythrozyten verabreichen
  • Hyperfibrinolyse mit Tranexamsäure korrigieren (siehe auch Blutübertragung)
  • Vermeiden flüchtige Anästhetika da sie zu einer Vasodilatation führen
  • Multimodale Analgesie verabreichen (Opioide, NMDA-Glutamatrezeptorantagonisten)
  • Eine Regionalanästhesie ist nicht indiziert, da sie zu lange dauert und maskieren könnte Kompartmentsyndrom
  • Vermeiden Unterkühlung da dies die Koagulopathie verschlimmert 
    • Mit passiver Aufwärmung, aktiver äußerer Aufwärmung und aktiver innerer Aufwärmung
    • Unterkühlung beeinträchtigt die Thrombinbildung
    • Unterkühlung trägt zur Thrombozytenfunktionsstörung bei
  • Berücksichtigen Sie Komplikationen im Zusammenhang mit der Plasmaverabreichung, wie z TRALI, Sepsis, und ABO-Inkompatibilität

Traumainduzierte Koagulopathie

Hyperfibrinolyse, Fibrindefizit, Thrombinbildungsdefizit, Thrombozytendefizit, Gerinnselmangel, TXA, Kryopräzipitat, FFP, PCC, Thrombozytenkonzentrat, Heparin, ROTEM

TXA, Tranexamsäure; PCC, Prothrombin-Komplex-Konzentrate

Empfohlene Lektüre

  • Hofer S, Schlimp CJ, Casu S, Grouzi E. Management der Koagulopathie bei blutenden Patienten. J. Clin. Med. 2021;11(1):1.
  • Pollard BJ, Kitchen, G. Handbuch der klinischen Anästhesie. Vierte Edition. CRC-Presse. 2018. 978-1-4987-6289-2.
  • Simmons J, Powel M. 2016. Akute traumatische Koagulopathie: Pathophysiologie und Reanimation. BJA: Britisches Journal für Anästhesie. 17;3:31-43.
  • Gaunt, C., Woolley, T., 2014. Blutungsmanagement bei schweren Traumata. Weiterbildung in Anästhesie Intensivpflege & Schmerz 14, 251–255.
  • Daniel Bolliger, Klaus Görlinger, Kenichi A. Tanaka, David S. Warner; Pathophysiologie und Behandlung der Koagulopathie bei massiver Blutung und Hämodilution. Anästhesiologie 2010; 113: 1205–1219.

Klinische Updates

Deshpande et al. (A&A, 2025) geben einen Überblick über die tumorassoziierte Koagulopathie und heben hervor, dass eine maligne Erkrankung ein gleichzeitig hohes Risiko für Thrombosen und Blutungen birgt. Dieses Risiko wird durch die Überexpression von Gewebefaktor, tumorbedingte Mikropartikel, neuroendokrine Tumoren (NETs), hypoxiebedingte Endotheldysfunktion und therapiebedingte Effekte verstärkt. Der Überblick betont, dass das perioperative Management auf einer strukturierten Risikobewertung (z. B. Khorana- oder Caprini-Score), dem frühzeitigen Einsatz viskoelastischer Tests (TEG/ROTEM) und individualisierten Antikoagulations- und Transfusionsstrategien basieren sollte, anstatt sich allein auf Standard-Gerinnungstests zu stützen. 

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